#154 – „Anders glücklich – Mein Kind ist anders: Warum der Mittelfinger im neurodivergenten Familienleben wichtig ist – Im Gespräch mit Autorin Isabel Demirel“
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Weitere Informationen 'Der Mittelfinger als Liebesbeweis – Anders glücklich sein mit einem neurodivergenten Kind
Chaos, Herz & Wachstum – Jetzt reinhören in die neue Episode mit Isabel
Manchmal ist der mutigste Satz, den du als Elternteil sagen kannst, kein laut ausgesprochenes Nein gegenüber deinem Kind – sondern ein stilles, innerliches Fuck you gegenüber einer Gesellschaft, die nicht für eure Familie gemacht ist.
Genau darum geht es in dieser besonderen Podcast-Episode. Ergotherapeutin und Familienberaterin Kiran spricht mit Isa – bekannt aus dem Podcast Hey Baby und Autorin des Buches „Anders glücklich sein“ – über Neurodivergenz, Mut, Erschöpfung, Diagnosen und das Sowohl-als-auch des Familienlebens.
Warum der Mittelfinger manchmal das Liebevollste ist
Der erste Satz in Isas Buch ist eine kleine Provokation – und gleichzeitig eine Befreiung: Der größte Schatz ist es, sein Kind so zu lieben und zu akzeptieren, wie es ist. Und einer Gesellschaft, die sich durch Leistung und Mangelgedanken definiert, gelassen den Mittelfinger zu zeigen.
Kein sanfter Einstieg. Aber ein ehrlicher.
Denn wer ein neurodivergentes Kind begleitet – ob mit Autismus, ADHS oder einer Kombination davon – kennt diese Momente: Die fremde Oma im Supermarkt. Der gut gemeinte Kommentar der Großeltern. Die Lehrkraft, die sagt, dein Kind „geht nicht“ auf dieser Schule. Und du stehst da, versuchst allen gerecht zu werden, lächelst, erklärst, entschuldigst dich fast für dein eigenes Kind.
Bis du merkst: Meine Priorität ist mein Kind. Nicht die Meinung Fremder.
Dieser Moment – wenn er kommt – ist ein Game Changer. Und er braucht Mut.
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Der See, die Enten und eine Diagnose, auf die vier Jahre Kampf warteten
Isa erzählt von einem Spaziergang am See, kurz nach der offiziellen Autismus-Diagnose ihres Sohnes. Ihre Tochter war als Neugeborenes dabei, der Nebel lag noch über dem Wasser – und dann sah sie eine Ente, die abseits vom Rudel schwamm.
Die Tränen kamen einfach.
Nicht aus Trauer im klassischen Sinne. Sondern aus Erleichterung, aus Erschöpfung und aus einer tiefen, langen aufgestauten Wut: Ich hatte die ganze Zeit recht.
Vier Jahre lang hatte sie gespürt, dass etwas anders ist. Mit sechs Monaten begann die Unsicherheit. Mit zwei Jahren hatte sie innerlich gewusst: Er ist Autist. Und vier Jahre lang hatte das Umfeld ihr das ausgeredet. Du bist ein Hypochonder. Du redest dein Kind krank.
Die Diagnose war kein Abgrund. Sie war ein Ankommen.
Ein Abschied von den Selbstzweifeln. Und ein Anfang – endlich durfte sie ihr Kind anders begleiten, ohne dafür ständig Gegenwind zu bekommen.
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„Willst du deinem Kind wirklich dieses Label aufdrücken?“
Die Angst vor der Diagnose ist real und nachvollziehbar. Isa kennt sie aus ihrer eigenen Geschichte und aus ihrer Community. Niemand möchte seinem Kind einen Stempel aufdrücken.
Aber hier ist, was Isa und Kiran aus ihrer langen Erfahrung sagen: Ohne Diagnose ist das Kind trotzdem so, wie es ist.
Es eckt an. Es kämpft. Es maskiert in der Schule und explodiert zu Hause. Und das Umfeld – andere Eltern, Lehrkräfte, die Schulleitung – versteht nicht warum, weil es keinen Namen gibt, keinen Begriff, nichts zum Nachschlagen.
Mit einer Diagnose hingegen entsteht Raum für Toleranz. Für Verständnis. Für Unterstützung. Wissen ist Macht – nicht im kämpferischen Sinne, sondern im befreienden.
Stell dir eine Schublade vor. Wenn du weißt, wo die Kugelschreiber liegen, kannst du gezielt suchen. So ist es auch mit dem Wissen über Autismus oder ADHS: Erst wenn du in die richtige Schublade schaust, findest du die Antworten, die du brauchst.
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Die emotionalen Hausaufgaben machen – und Hilfe annehmen
Eines der ehrlichsten Kapitel des Gesprächs dreht sich um das Thema Hilfe annehmen. Isa erzählt, wie sie mit einem Hexenschuss weinend auf dem Küchenboden saß – und ihre Mutter am Telefon sagte: „So oft wie du um Unterstützung bittest, habe ich das noch nie erlebt.“
Dieser Satz hat sich wie ein Urteil angefühlt. Ich bin zu schwach. Ich schaffe das nicht.
Dabei ist das Gegenteil wahr.
Eltern von neurodivergenten Kindern leisten täglich so viel mehr als andere ahnen. Sie regulieren, begleiten, erklären, kämpfen mit System und Schule, recherchieren nächtelang – während sie gleichzeitig versuchen, gute Partnerinnen, Freundinnen und Menschen zu sein.
Hilfe annehmen ist keine Schwäche. Es ist Selbstfürsorge. Und es ist Stärke.
Und noch etwas: Wenn wir als Eltern unsere emotionalen Hausaufgaben machen – zur Therapie gehen, uns supporten lassen, auf uns achten – dann geben wir unseren Kindern etwas Unbezahlbares mit. Sie wachsen in einer Familie auf, in der Selbstfürsorge selbstverständlich ist. Der Rucksack, den wir weitergeben, wird leichter.
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Das Sowohl-als-auch: Tanzen mit Licht und Schatten
Vielleicht ist das der Kern von allem:
Ein neurodivergentes Kind zu begleiten ist scheiße anstrengend. Es ist unfair in einer neurotypischen Welt. Es kostet Kraft, die du manchmal einfach nicht hast. Es ist okay, das anzuerkennen.
Und gleichzeitig: Es ist wunderbar. Diese Kinder wachsen, zeigen Stärken, entwickeln Interessen, die begeistern. Und wir wachsen mit ihnen. Isa hätte ihr Buch nie geschrieben ohne ihren Sohn. Kiran ihre Beratungsarbeit nie auf diese Weise.
Das ist kein Entweder-oder. Das ist ein Sowohl-als-auch.
Ambiguitätstoleranz nennt man das – die Fähigkeit, beides gleichzeitig zu halten. Die Erschöpfung und die Dankbarkeit. Den Schmerz und die Freude. Den Mittelfinger und das volle Herz.
Wellenreiten lernt man nicht über Nacht
Das Leben mit Neurodivergenz ist Wellenreiten. Die See wird nie völlig ruhig. Darum geht es auch nicht.
Aber Wellenreiten kann man lernen. Mit dem richtigen Wissen, dem richtigen Equipment – und mit Menschen an der Seite, die dieselben Wellen kennen.
Genau das ist das Schöne an dieser Folge und an Isas Buch: Es erinnert daran, dass du nicht alleine bist. Dass es andere Familien gibt, die matchen. Dass Mut belohnt wird, auch wenn er sich manchmal unmöglich anfühlt.
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Das Wichtigste zum Mitnehmen
- Du darfst Prioritäten setzen. Dein Kind kommt zuerst. Nicht die Meinung der Welt.
- Eine Diagnose ist kein Schubladendenken – sie ist Orientierung. Wissen schützt und befähigt.
- Hilfe annehmen ist Stärke, nicht Versagen. Such dir dein Dorf. Du musst das nicht alleine tragen.
- Sowohl als auch ist erlaubt. Anstrengend und wunderschön. Beides gleichzeitig. Jeden Tag.
- Dein innerer Mittelfinger ist manchmal dein bestes Werkzeug. Für dich – und für dein Kind.
„Anders glücklich sein“ von Isa ist jetzt erhältlich. Und wenn dein Kind dieses Jahr eingeschult wird – besonders wenn Neurodivergenz eine Rolle spielt – dann schau dir den Vertiefungsworkshop Bindungsstarke Schulzeit an. Du musst diese Wellen nicht alleine reiten.
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Isabel Demirel
Isa ist Podcasterin, Autorin und eine ebenso direkte wie herzliche Stimme für Eltern neurodivergenter Kinder – und alle, die sich fragen, warum das Familienleben sich so grundlegend anders anfühlt als erwartet.
Mit ihrem Buch „Anders glücklich sein“ zeigt sie, dass Glück mit einem neurodivergenten Kind nicht das Gleiche bedeutet wie das Glück, das die Gesellschaft verspricht – und dass genau darin eine unerwartete Stärke liegen kann. Sie schreibt ehrlich über vier Jahre Kampf um eine Diagnose, über Erschöpfung, Selbstzweifel und den langen Weg zu sich selbst.
Isa verbindet ihre persönliche Erfahrung als Mutter eines Sohnes mit Autismus und ADHS – und ihre eigene ADHS-Diagnose – mit einem optimistischen, zutiefst menschlichen Blick auf Neurodivergenz. Dadurch macht sie sichtbar, was viele Eltern alleine tragen: dass es nicht an ihnen liegt, sondern daran, dass unsere Welt schlicht nicht für diese Familien gemacht ist.
Ihre Mission: Eltern zeigen, dass sie im Team ihres Kindes sind – und dass dieser Weg, so anstrengend er auch ist, zu einem anderen, echten Glück führen kann.
Website: https://www.isabeldemirel.de/
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