#159 – Wellengang Einschulung: Wie die eigene Werte zum sicheren Anker im Schulalltag werden mit Dr. Desiree Bender
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Weitere Informationen 'Werte als Anker – wie du in stürmischen Schulzeiten Orientierung findest
Chaos, Herz & Wachstum – mit Desiree
Ich bin Waldorfschülerin. Ich bin mit dem Feindbild Staatsschule groß geworden.
Und dann sollte mein Kind – das im Kindergarten schon ordentlich angeeckt ist – genau dorthin. In dieses Schulsystem. Ich habe alles versucht, freie Schulen, andere Wege. Und am Ende war nur noch diese eine Option.
Zwei Tage habe ich weinend in der Badewanne gesessen. Ich habe mich übergeben. Mein Rücken hat wehgetan.
Und dann kam der Tag nach der Einschulung. Mein Kind schaute mich an und sagte: „Mama, das war gestern der schönste Tag in meinem Leben.“
Genau das ist der Punkt, um den es in dieser Episode geht. Nicht darum, Wellen zu vermeiden. Sondern darum, sie reiten zu können.
Warum Werte in der Schulzeit so entscheidend sind
Schule greift in unsere Familie ein. Hausaufgaben. Belohnungssysteme. Elterngespräche. Bewertungen. All das kommt von außen – und landet mitten in unserem Alltag.
Wenn wir nicht wissen, was uns wirklich wichtig ist, werden wir von diesen Wellen einfach mitgerissen. Reagieren aus alten Mustern. Machen Druck, weil wir Druck spüren. Übertragen unsere eigenen Schulängste auf unsere Kinder.
Werte hingegen sind wie Bojen im Wellengang. Sie geben Orientierung, wenn es stürmisch wird. Nicht weil sie die Wellen verschwinden lassen – sondern weil wir wissen, wohin wir steuern.
Desiree, die eine werteorientierte Schule gegründet hat und Menschen in Veränderungsprozessen begleitet, bringt es auf den Punkt: Ohne Klarheit über die eigenen Werte handeln wir nicht bewusst – wir schlittern einfach in alte Muster hinein.
Der alte Weg und der neue Weg
Desiree unterscheidet zwischen dem alten Weg und dem neuen Weg.
Der alte Weg ist das, was in uns gespeichert ist. Reaktionen, die automatisch kommen. Nervenreflexe, die aus vergangenen Erfahrungen entstammen. Wenn der Puls bei Hausaufgaben hochgeht. Wenn wir laut werden, obwohl wir das nicht wollten. Wenn wir bei einem Belohnungssystem an der Tafel innerlich ausrasten.
Das ist kein Versagen. Das ist das Nervensystem, das alte Wege geht.
Der neue Weg hingegen ist eine bewusste Wahl. Eine Antwort – statt einer Reaktion. Und genau dafür brauchen wir Werte. Nicht als schöne Ideen aus einem Buch, sondern als verkörperte Wahrheit. Als etwas, das wir im Körper spüren.
Werte fühlen, nicht nur kennen
Hier liegt ein wichtiger Unterschied: Werte sind kein Konzept. Sie sind eine körperliche Erfahrung.
Desiree beschreibt es so: Wenn sie in einem echten Wert verankert ist, spürt sie Standfestigkeit. Eine Präsenz im Körper. Und es ist ihr egal, was jemand anderes dazu sagt.
Das ist der Unterschied zwischen einem Wert, den wir kennen, und einem Wert, den wir wirklich leben.
Und der Körper zeigt uns auch, wann wir auf dem alten Weg sind: Schultern, die sich anspannen. Kiefer, der sich verkrampft. Ein heißes Gefühl im Gesicht. Gedanken, die kreisen. All das sind Signale – keine Fehler, sondern Hinweise.
Drei Schlüssel für den Weg
1. Umdeuten
Wenn wir neue Werte leben wollen und dafür unser Nervensystem aus der Komfortzone bringen, fühlt sich das zunächst bedrohlich an. Das ist normal. Das zeigt nur, dass wir wirklich etwas Neues tun.
Wer noch nie Nein sagen durfte, für den ist Nein sagen existenzbedrohend. Wer gelernt hat, dass Grenzen Bindungsverlust bedeuten, wird beim ersten Mal innerlich zusammenbrechen.
Der Schlüssel: Diese Reaktion umindeuten. Nicht als Zeichen, dass es falsch ist – sondern als Zeichen, dass es neu ist. Und neu ist gut.
2. Bejahen
Den alten Weg nicht bekämpfen, sondern annehmen.
Wenn wir uns in alten Mustern erwischen – wenn wir schreien, obwohl wir das nicht wollten, wenn wir Druck machen, obwohl wir Halt geben wollten – hilft Hildegard nicht weiter. Diese innere Kritikerin, die sagt: „Siehst du, schon wieder falsch.“
Was hilft: Annehmen. Bejahen. Sich innerlich umarmen. Und dann weitergehen.
Denn nur wer den alten Weg bejahen kann, kann wirklich einen neuen gehen.
3. Fehler vergolden
Fehler sind keine Niederlage. Sie sind Lernmaterial.
Wenn wir uns fragen: Was habe ich daraus gelernt? Was hat sich dadurch geöffnet? Dann können wir Fehler vergolden – und loslassen. Ohne Schuldgefühle, ohne Selbstvorwürfe.
Belohnungssysteme, Oma-Wünsche und andere Stürme
Was tun, wenn an der Tafel ein Bewertungssystem auftaucht, das gar nicht zu unseren Werten passt? Wenn die Großmutter eine riesige Einschulungsfeier will, obwohl wir wissen, dass das für unser Kind zu viel wird?
Desirees Antwort: Erst sortieren, wessen Verantwortungsbereich das ist.
Die Schule verantwortet den Unterricht. Ich verantworte mein Zuhause und meine Beziehung zu meinem Kind. Und ich darf darauf vertrauen, dass mein Kind stark genug ist, verschiedene Kontexte zu erleben – und seinen eigenen Weg damit zu finden.
Manchmal kommt das Kind nach Hause und sagt: „Mama, so denken die da. Ist irgendwie schade für die.“ Das ist kein Problem. Das ist Entwicklung.
Und wenn jemand – die Oma, die Lehrkraft, irgendjemand – enttäuscht ist, weil wir eine Entscheidung anders treffen: Das dürfen wir aushalten. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Klarheit.
Das Bild, das bleibt
Eines Tages kam eines meiner Kinder nach Hause und sagte: „Mama, heute habe ich einen Freund gefunden. Bist du jetzt glücklich?“
Ich hatte dieses Kind so oft begleitet, ermutigt, gefragt, ob es schon einen Freund gefunden hat. Weil Freundschaft für mich so wichtig ist.
Und dann stellte es mir diese Frage.
Das war ein Moment des Lernens. Für mich. Nicht alles, was ich für wichtig halte, muss mein Kind genauso erleben. Manchmal ist mein Thema meins – und nicht das meines Kindes.
Werte helfen uns, genau das zu unterscheiden.
Das Wichtigste zum Mitnehmen
- Werte sind keine Konzepte – sie werden im Körper gespürt. Wenn du zitterst beim Nein-Sagen, bist du auf dem richtigen Weg.
- Der alte Weg ist automatisch, der neue ist bewusst. Körpersignale helfen dir, den Unterschied zu merken.
- Bejahen, umdeuten, vergolden – die drei Schlüssel für echten Wandel.
- Wessen Verantwortung ist es? Diese Frage sortiert viele Stürme, bevor sie richtig losgehen.
- Vertrauen kommt vor Schützen. Kinder wachsen, wenn wir ihnen Raum lassen – nicht wenn wir jeden Gegenwind von ihnen fernhalten.
- Dein Kind ist nicht dein Spiegel – manchmal zeigen unsere Sorgen um das Kind mehr über uns als über das Kind.
Du musst diesen Weg nicht alleine gehen.
Beim Themenabend Trennungssensible Kinder beim Schulübergang begleiten schauen wir gemeinsam hin, wie du deinem Kind Halt gibst – ohne zu schieben, zu drängen oder zu kontrollieren.
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Desiree Bender
Desiree ist Schulleitung, Gründerin einer werteorientierten Schule und eine ebenso klare wie herzliche Stimme für alle Eltern, die spüren, dass es im Familienleben mehr braucht als gute Absichten – nämlich echte innere Klarheit.
Mit ihrer Arbeit zeigt sie, dass Werte kein Konzept sind, das man liest und dann anwendet. Sie sind etwas, das man im Körper spürt, erarbeitet und immer wieder neu verankert – gerade dann, wenn Schule, Alltag und die eigene Geschichte durcheinanderwirbeln.
Desiree verbindet ihre Erfahrung als Schulleitung, Mutter von drei Kindern und Begleiterin von Veränderungsprozessen mit einem tiefen humanistischen Menschenbild. Dadurch macht sie sichtbar, was viele Eltern ahnen, aber kaum benennen können: dass der Weg zu einer bindungsstarken Familienkultur zuerst nach innen führt.
Ihre Mission: Eltern und Teams dabei begleiten, sich wieder mit dem zu verbinden, was wirklich wahr für sie ist – damit Beziehung, Erziehung und Schule aus Klarheit entstehen statt aus Druck.
Instagram ➡️ @deinebeziehungen
Website ➡️ https://www.db-deinebeziehungen.de/
Kostenlose Inhalte von Desiree ➡️ https://alfima.com/drdesire
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