#161 – Herz zählt – Wie Eltern und Lehrkräfte Schule gemeinsam besser machen: im Gespräch mit Saskia Niechzial

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Herz zählt – wie Eltern und Lehrkräfte gemeinsam Schule besser machen

Chaos, Herz & Wachstum – mit Saskia Niechzial

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Es ist Sommer 2026. Und ehrlich gesagt könnte ich kotzen.

Wir wissen so viel über Bildung, über Lernen, über Beziehungen. Und es wird einfach nicht beachtet. Entscheidungen werden getroffen, die uns zwanzig Schritte zurückwerfen. Und trotzdem – oder gerade deshalb – sage ich: Jetzt erst recht.

Denn was uns niemand wegnehmen kann, ist die Art, wie wir uns begegnen. Wie wir als Eltern und Lehrkräfte füreinander da sind. Wie wir gemeinsam für unsere Kinder einstehen.

Genau das ist das Thema dieser Episode. Mit Saskia – Lehrkraft, Autorin, Neurodivergente und Rebellin. Ihr Buch Herz zählt erscheint am 27. August und ich empfehle es von ganzem Herzen.


Warum Eltern-Lehrkraft-Kommunikation so entscheidend ist

Kinder verbringen einen Großteil ihrer Zeit in der Schule. Und für sie ist es nicht egal, wie die Menschen, die sie begleiten, zueinander stehen.

Wenn ein Kind spürt, dass Eltern und Lehrkraft nicht auf einer Wellenlänge sind, entsteht Stress. Subtil, oft unbewusst – aber spürbar. Ein Kommentar hier, eine Aussage da. Das reicht.

Wenn dagegen beide Seiten zusammenarbeiten, bündeln sie ihre Expertise. Die Eltern kennen ihr Kind am besten. Die Lehrkraft kennt das Kind im Gruppenkontext. Zusammen ergibt das eine Kraft, die weit über das hinausgeht, was jede Seite alleine leisten kann.

Und trotzdem ist Eltern-Lehrkraft-Kommunikation laut Umfragen einer der größten Belastungsfaktoren – für beide Seiten. Das muss nicht so sein.


Das größte Hindernis: Die Haltung, mit der wir reingehen

Saskia bringt es klar auf den Punkt: Bevor wir über konkrete Schritte sprechen, müssen wir über Haltung sprechen.

Viele Eltern gehen mit einer Brille in die Schulzeit, die sie sich gar nicht ausgesucht haben. Spielplatz-Funk, eigene schlechte Schulerfahrungen, Kindergartenzeiten, die nicht einfach waren. Und dann kommt die erste Lehrkraft. Und diese Brille sitzt schon auf der Nase.

Dann gibt es vielleicht an einem Tag ungewöhnlich viele Hausaufgaben – und sofort springt der Gedanke an: Ich wusste es. Das wird furchtbar.

Auch Lehrkräfte kommen mit Brillen. Die übernervöse Mutter. Der Vater, der alles besser weiß. Der Elternteil, der das ausgerechnet Freitagnachmittag bringt.

Wir alle tragen diese Muster. Das ist menschlich. Aber wenn wir sie nicht reflektieren, werden sie zur einzigen Linse, durch die wir schauen. Und dann ist selbst ein guter Austausch kaum noch möglich.

Die erste Arbeit ist also: Ehrlich hinschauen. Welches Bild habe ich eigentlich von Lehrkräften? Wie offen bin ich wirklich für diese neue Beziehung?

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Kleine Schritte, große Wirkung

Wir begegnen uns viel zu selten. Zwei Elternabende, zwei Elternsprechtage im Jahr – das ist das gesetzliche Fundament. Für eine Beziehung, die so viel trägt, erschreckend wenig.

Deshalb lohnt es sich, Beziehungsarbeit in kleinen Momenten zu investieren.

Nach einem schönen Ausflug eine kurze Mail schreiben: Mein Kind erzählt so begeistert. Vielen Dank. Nach den ersten zwei Schulwochen Rückmeldung geben, wenn es gut läuft. Das klingt klein. Aber für Lehrkräfte, die selten Positives zurückbekommen, ist es ein echtes Geschenk. Ein Signal: Hier ist eine Familie, die mir wohlgesonnen ist.

Und das verändert, wie die Lehrkraft in das nächste Gespräch geht. Und wie die Eltern. Und was das Kind davon miterlebt.


Eltern neurodivergenter Kinder: Proaktiv statt abwartend

Wenn Neurodivergenz eine Rolle spielt, kommen Eltern oft mit einem besonders vollen Rucksack in die Schulzeit. Erfahrungen aus der Kita, Kämpfe um Diagnostik, Momente, in denen man nicht gehört wurde.

Das Nervensystem ist dann auf Gefahr eingestellt. Fünf gute Interaktionen werden registriert – aber eine kritische lässt alles wieder hochkochen.

Saskias Empfehlung: Proaktiv sein. Nicht wochenlang abwarten und hoffen, dass es gut geht. Sondern früh das Gespräch suchen.

Das muss keine große Ansage sein. Ein kurzes Gespräch zu Beginn reicht: Wir sind die Eltern von. Wir haben vielleicht manchmal etwas mehr Bammel als andere Eltern, weil wir in der Vergangenheit nicht immer einfache Erfahrungen gemacht haben. Wir bemühen uns aber sehr, offen und zugewandt zu sein. Wenn Sie Fragen haben, kommen Sie gerne auf uns zu.

Und vielleicht auch: Was wäre Ihnen wichtig, was ich unbedingt über mein Kind wissen sollte?

Diese Frage allein kann so viel auslösen. Eltern, die jahrelang kämpfen mussten, um gehört zu werden, erleben plötzlich: Hier werde ich gefragt. Hier darf ich meine Expertise einbringen.


Beziehung statt Gehorsam – auf beiden Seiten

Lehrkräfte sitzen strukturell am längeren Hebel. Das ist Fakt. Sie entscheiden viel. Sie haben Einfluss auf Noten, auf Atmosphäre, auf den Schulalltag.

Und genau deshalb tragen sie auch eine besondere Verantwortung, Eltern auf Augenhöhe zu begegnen. Impulse ernst zu nehmen. Nicht sofort abzuwehren, wenn jemand kommt und sagt: Bei uns zu Hause funktioniert das so gut. Wäre das auch hier denkbar?

Es geht nicht darum, dass Lehrkräfte alles umsetzen können. Das ist in einer Klasse mit dreißig Kindern schlicht nicht möglich. Aber das Signal macht den Unterschied: Ich nehme das ernst. Ich denke darüber nach. Danke, dass Sie das einbringen.

Eltern, die so empfangen werden, kämpfen nicht mehr. Sie kooperieren.

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Was das Kind davon mitbekommt

Kinder spüren, wie Erwachsene miteinander umgehen. Gerade neurodivergente Kinder, die sehr nah an ihren Bezugspersonen sind und sehr genau wahrnehmen, was um sie herum passiert.

Wenn Eltern nach dem ersten Elternabend nach Hause kommen und sagen: Die Lehrkraft macht einen netten Eindruck. Ich bin gespannt, dann setzt das etwas. Ein kleiner Samen. Das Gefühl: Die Menschen in meinem Leben vertrauen einander. Ich bin sicher.

Das ist keine Kleinigkeit. Das ist Fundament.


Das Wichtigste zum Mitnehmen

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Die Haltung kommt zuerst. Bevor wir über Formulierungen nachdenken, lohnt sich die Frage: Wie offen gehe ich wirklich in diese Beziehung?

Kleine Gesten wirken groß. Eine kurze Dankesmail nach einem schönen Erlebnis kann mehr bewegen als ein stundenglanges Gespräch.

Proaktiv sein schützt. Gerade wenn Neurodivergenz eine Rolle spielt, lohnt es sich, früh das Gespräch zu suchen – statt auf den Ernstfall zu warten.

Beide Seiten tragen Verantwortung. Lehrkräfte am längeren Hebel, Eltern mit ihrer Expertise. Zusammen sind sie das stärkste Team für das Kind.

Und wenn es trotz allem nicht klappt, darf man auch respektvoll auseinandergehen. Auch dafür gibt es Wege.


Saskias Buch Herz zählt erscheint am 27. August 2026. Es ist unbequem an manchen Stellen. Und genau das macht es so wertvoll.

Mehr von Saskia findest du unter dem Blogartikel.

Wenn dein Kind dieses Jahr eingeschult wird: Der Vertiefungsworkshop Schulstart bindungsstark startet am 19. August. Eltern-Lehrkraft-Kommunikation ist ein zentrales Thema darin.

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Chaos, Herz & Wachstum – der Familienpodcast rund um die Schulzeit. Mit Kiran, Ergotherapeutin, Familienberaterin, ADHS-Trainerin und Mama von drei Kindern.

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Saskia Niechzial

Saskia Niechzial ist Lehrkraft, Autorin und eine ebenso klare wie unbequeme Stimme für alle, die spüren, dass Schule mehr sein kann als ein System, das Kinder bewertet – und die bereit sind, dafür aktiv etwas zu tun.

Mit ihrem Buch Herz zählt zeigt sie, dass Eltern und Lehrkräfte keine Gegner sind, sondern das stärkste Team, das ein Kind haben kann. Sie benennt ehrlich und differenziert, warum diese Beziehung so oft scheitert – und was beide Seiten konkret tun können, damit sie trägt.

Saskia verbindet ihre eigene Erfahrung als neurodivergente Lehrkraft, Mutter und Rebellin im Schulsystem mit einem tiefen Verständnis dafür, was Kinder wirklich brauchen. Dadurch macht sie sichtbar, was so viele täglich spüren, aber kaum aussprechen: dass Schule besser werden kann – und dass wir die Chance dazu haben.

Ihre Mission: Eltern und Lehrkräfte aus der Ohnmacht herausholen und ihnen zeigen, dass kleine Schritte in der Beziehungsarbeit mehr verändern als jede politische Entscheidung

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