#163 – Patriarchale Kackscheiße erkennen – und trotzdem gelassen bleiben im Gespräch mit Alexandra Zykunov
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Weitere Informationen 'Das Patriarchat klaut unseren Jungs die Gefühle – und was wir dagegen tun können
Chaos, Herz & Wachstum
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Darf man patriarchalen Kackscheiß sagen?
Man muss es sagen. Es ist unsere Verantwortung.
Und genau das tut Alexandra Zykunov in ihrem neuen Buch – mit Humor, mit Fakten, mit ehrlicher Selbstreflexion und ohne falsche Rücksicht. Ein Spiegelbestseller
Wie das Awakening beginnt
Alexandra dachte lange, Feminismus sei erledigt. Frauen dürfen wählen, Frauen können arbeiten, Frauen können Karriere machen – check, fertig, durchgespielt.
Dann wurde sie Mutter.
Und plötzlich war da dieser Moment: Sie und ihr Mann gingen 2013 in den Kreißsaal und kamen im Jahr 1960 wieder heraus. Die Erwartungen an sie als Mutter waren gigantisch und unmöglich zu erfüllen. Die Erwartungen an ihren Mann als Vater? Eher überschaubar.
Warum gehst du schon Vollzeit arbeiten? Warum gibst du dein Kind so früh in den Kindergarten? Ein krankes Kind braucht seine Mutter.
Die Frage: Warum kriege ich das zu hören – und mein Mann nicht?
Diese Frage hat alles verändert.
Feminismus ist nicht nur für Mädchen
Hier steckt ein Missverständnis, das sich hartnäckig hält: Feminismus sei primär dafür da, Mädchen zu stärken.
Alexandra hat das selbst gedacht. Und sich im Laufe ihrer Mutterschaft eines Besseren belehren lassen.
Denn wer sind eigentlich die Täter bei Femizid? Bei Gewalt gegen Frauen? In neunzig bis fünfundneunzig Prozent der Fälle: Männer. Männer, denen als Jungs nie beigebracht wurde, mit Ablehnung, mit Wut, mit gebrochenem Herzen anders umzugehen als mit Aggression.
Das Patriarchat schadet Männern genauso. Es klaut ihnen ihre Gefühle. Es sagt ihnen: Weinen ist schwach. Schmerz zeigen ist unmännlich. Therapie ist was für Weicheier.
Und deshalb sind Männer häufiger suizidgefährdet. Deshalb landen Männer häufiger in Gefängnissen. Deshalb sind Männer häufiger in Kriege verwickelt.
Das sind keine Argumente gegen Feminismus. Das sind Argumente für ihn.
Das Patriarchat klaut unseren Jungs die Gefühle
Es beginnt früh. Sehr früh.
Mit Babys, mit denen weniger gesprochen wird, wenn sie Jungen sind. Mit Kleinkinderjungs, die nach einem Sturz hören: Großer Junge weint nicht. Mit Schulkindern, die stolz erzählen, dass sie nicht geweint haben – als wäre das eine Leistung.
Tränen sind eine körperliche Reaktion auf Schmerz. Genauso natürlich wie Bluten. Und wir bringen unseren Jungs bei, diese Reaktion abzuschalten.
Das nennt sich in der Soziologie Boy-Code. Ein unausgesprochenes Gesetz darüber, wie Jungs sich zu verhalten haben. Es existiert noch immer. Und es wird nicht nur von Erwachsenen weitergegeben – es wird auch von anderen Jungs überwacht. Wer aus der Rolle fällt, wird ausgelacht.
Genau deshalb brauchen unsere Söhne von uns mehr Gespräche über ihre innere Gefühlswelt. Nicht weniger. Sie brauchen einen Ort, wo das normal ist. Wo sie üben dürfen, was die Welt da draußen ihnen abzugewöhnen versucht.
Nicht gleich erziehen – sondern gerecht
Das klingt zunächst paradox: Wenn ich Gleichberechtigung will, müsste ich doch alle Kinder gleich erziehen.
Aber hier liegt der Denkfehler.
Denn unsere Kinder werden von Außen nicht gleich behandelt. Schon als Babys. Mädchen werden früh für ihr Aussehen gelobt. Jungs für das, was sie tun. Mädchen werden länger getröstet. Jungs bekommen schneller zu hören: Ist doch nicht so schlimm.
Diese unterschiedliche Behandlung von außen summiert sich. Über Hörspiele, Filme, Schulbücher, Schulhofgespräche, Disney-Märchen.
Wenn ich wirklich Gerechtigkeit will, muss ich dagegen anarbeiten. Das bedeutet: meinen Sohn mehr zu Gesprächen über Gefühle einladen. Ihn mehr dazu bringen, Aufmerksamkeit zu zeigen, Dinge schön einzupacken, auf andere zu achten. Und meiner Tochter beibringen, sich durchzusetzen – aber nicht auf Kosten von Empathie.
Das Ziel ist nicht, Mädchen wie Jungs zu erziehen. Und auch nicht Jungs wie Mädchen. Das Ziel ist: alle Kinder als Menschen zu begleiten, die Gefühle haben dürfen, die Fürsorge zeigen dürfen, die Grenzen setzen dürfen – und die verstehen, dass das für alle gilt.
Was wir vorleben, prägt mehr als alles andere
Alexandra hat einen Sohn und eine Tochter. Und sie beschreibt, wie sie regelmäßig auf Pause drückt – bei Filmen, bei Hörspielen – um ein Klischee zu benennen, eine Rolle zu hinterfragen, eine Diskussion anzustoßen.
Bis irgendwann ihr Sohn bei einem schlechten Spruch im Film ihren Blick sucht und leicht anfängt zu grinsen. Ohne Kommentar. Weil er es selbst gesehen hat.
Das ist der Moment, für den man kämpft.
Und gleichzeitig sagt sie ganz ehrlich: Sie ist auch selbst tief in dieser patriarchalen Sozialisation aufgewachsen. Sie macht Fehler. Sie rennt manchmal übers Ziel hinaus. Das Buch ist keine Anleitung zur perfekten feministischen Erziehung. Es ist eine Einladung, ehrlich hinzuschauen – und dann weiterzumachen.
Was das mit uns zu tun hat
Wir sind alle so sozialisiert worden. Mit Rassismen, mit patriarchalen Rollenbildern, mit Behindertenfeindlichkeit, mit Homofeindlichkeit. Das ist nicht unsere Schuld.
Aber es wird zu unserer Verantwortung, wenn wir es nicht hinterfragen.
Die Frage ist nicht, ob wir patriarchale Glaubenssätze in uns tragen. Die Frage ist, wo. Und was wir damit machen, wenn wir sie entdecken.
Das Wichtigste zum Mitnehmen
Feminismus ist nicht gegen Männer. Er will auch Männer befreien aus starren Rollenbildern.
Das Patriarchat klaut unseren Jungs ihre Gefühle. Von klein auf. Durch Boy-Code, Klischees, Sozialisation.
Nicht gleich erziehen bedeutet nicht ungerecht. Es bedeutet, den unterschiedlichen Ungleichbehandlungen von außen entgegenzuarbeiten.
Kleine Dinge machen den Unterschied. Jungs mehr zur Fürsorge einladen. Mädchen mehr ermutigen, ihre Stimme zu erheben. Beides zusammen.
Unsere Söhne sind keine Günther. Sie wollen Gefühle. Sie wollen Verbindung. Wir dürfen sie darin bestärken.
Viel früher als wir denken müssen wir mit unseren Kindern über Pornografie sprechen. Und über Sexualität. Und über Grenzen.
Alexandras Buch erscheint jetzt. Ihr Sohn hat den Titel geliefert. Und das allein sagt schon alles.
Mehr von Alexandra: https://www.alexandrazykunov.de/
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Alexandra Zykunov
Alexandra Zykunov ist Autorin, Journalistin und eine ebenso klare wie humorvolle Stimme für alle, die spüren, dass unsere Gesellschaft noch längst nicht so gleichberechtigt ist, wie wir es uns gerne einreden – und die bereit sind, genau dafür einzustehen.
Mit ihrem Buch zeigt sie, dass feministische Erziehung kein Konzept für andere ist – sondern eine tägliche Entscheidung, die jede Familie treffen kann. Sie benennt ehrlich und mit viel Selbstironie, wie tief patriarchale Muster in uns allen stecken – und was wir konkret tun können, damit unsere Kinder freier aufwachsen als wir es durften.
Alexandra verbindet ihre eigene Erfahrung als Mutter, ihre journalistische Präzision und ihren unerschütterlichen Humor mit einem klaren Blick auf gesellschaftliche Strukturen. Dadurch macht sie sichtbar, was viele ahnen, aber kaum laut sagen: dass das Patriarchat nicht nur unseren Töchtern schadet – sondern genauso unseren Söhnen.
Ihre Mission: Eltern zeigen, dass feministische Erziehung keine perfekte Haltung braucht – sondern Neugier, Ehrlichkeit und den Mut, immer wieder hinzuschauen.
Insta ➡️ https://www.instagram.com/alexandra___z/?hl=en
Website ➡️ https://www.alexandrazykunov.de/
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