#149 – „Wut bei Kindern verstehen & begleiten – im Gespräch mit Autor und Podcaster
Christopher End über „Ups, ich bin wütend“

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Ups, ich bin wütend 

Als ich diesen Satz im Intro gesagt habe, musste ich selbst kurz grinsen. Klingt fast süß, oder? Aber Wut… Wut ist selten süß. Wut ist kraftvoll. Wut ist dieses „Boah! Ich will das NICHT!“ – aus dem Mund deines Wackelzahnkindes. Oder dieses „Scheiß-Mama! Kacka-Papa!“ mitten ins Herz. Und manchmal ist Wut auch dieses Gefühl in uns, wenn wir merken: Ich packe gerade zu fest zu. Oder ich sage Dinge, die ich nie sagen wollte.

Und genau da beginnt der Punkt, der mir so wichtig ist:

Wut wirft uns oft zurück in Hilflosigkeit – aber sie muss dort nicht enden. Wut kann auch eine Kraft sein. Eine, die uns schützt. Eine, die uns zeigt, was uns wichtig ist. Eine, die Veränderung möglich macht.

In dieser Podcastfolge von Chaos, Herz & Wachstum spreche ich mit Christopher End über genau diese Kraft. Über Wut in Kindern. Über Wut in Eltern. Und über die Verantwortung, die wir damit tragen – ohne uns dabei zu verdammen.

Und ja: Es ist auch eine Folge, die sehr persönlich geworden ist.

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Ein Morgen wie aus dem Buch. Wirklich.

Ich habe die Folge vorbereitet – und kurz davor kam diese Mail: Glatteis. Keine Schule.

Dazu Unterlagen, die bei einer Bank nicht angenommen wurden. Eine To-do-Liste, die eher nach „20 Bälle jonglieren“ aussah, obwohl mein Kopf eigentlich fünf schon sportlich findet. Und dann… kam ein Kind dazwischen.

Ich hatte Stress, wollte, dass etwas „einfach klappt“, und am Ende haben wir gestritten, Vulkane inklusive. Als es halbwegs wieder ruhig war, war ich einfach nur erschöpft. Und dann lese ich die Fahne von Chris’ Buch – und denke: Ola die Waldfee. Soll ich jetzt lachen oder weinen?

Denn „Ups, ich bin wütend“ startet mit genau so einem Morgen. Mit Mathis, seiner Mama, seinem Papa – und drei Perspektiven, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Und das ist so entlastend, weil es etwas zeigt, was wir im Alltag ständig vergessen:

Wir leben oft in derselben Situation – aber in komplett verschiedenen Welten.

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Drei Perspektiven – und plötzlich ergibt Wut Sinn

Im Buch (und in unserem Gespräch) wird das so greifbar:

  • Die Mama, die „alles zusammenhält“, die Zeit im Blick hat, die Verantwortung spürt – und innerlich merkt, wie es enger wird.

  • Der Papa, der im Spiel versinkt, den Draht zum Kind liebt – und die Zeit dabei verliert.

  • Mathis, der so tief in seiner Raumkampfgeschichte steckt, dass Mama-Rufen einfach nicht ankommt. Nicht aus Trotz. Sondern weil sein System komplett woanders ist.

Und ich musste so schlucken, weil ich dachte: Ja. Genau so fühlt sich das an.

Wut kommt nicht aus dem Nichts. Sie hat eine Vorgeschichte. Sie ist oft die Spitze eines Eisbergs aus zu viel, zu eng, zu schnell, zu fremdbestimmt.

Dieses „plötzlich explodiert es“ ist meistens nur: Wir haben vorher die kleinen Punkte nicht gesehen.


Wut ist wie ein Messer

Ich benutze in der Folge ein Bild, das mir total hilft:

Wut ist wie ein Messer.

Ein Messer kann verletzen, wenn es unbewusst geführt wird – wenn es ignoriert, angefeuert oder missverstanden wird.

Und ein Messer kann auch helfen: beim Kochen, beim Schnitzen, beim Überleben. Genau so kann Wut zerstören – oder sie kann uns dienen.

Die Frage ist nicht, ob Wut da ist.

Die Frage ist: Wie führen wir sie?


Wenn Wut übernimmt, ist das Gehirn im Notfallmodus

Chris beschreibt es so klar – und ich liebe diese Entlastung darin:

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Wenn wir (oder unsere Kinder) richtig wütend sind, sind wir nicht einfach „schwierig“ oder „manipulativ“. Dann läuft ein Notfallprogramm. Fight, Flight, Freeze. Der präfrontale Kortex – also der Teil, der für Logik, Sprache, Perspektivwechsel zuständig ist – ist dann nicht mehr „am Steuer“.

Und plötzlich macht total Sinn, warum…

  • Erklären nicht ankommt, obwohl wir uns so Mühe geben

  • „Jetzt beruhig dich mal“ alles schlimmer macht

  • Drohen eskaliert (weil dann die Fäuste auf beiden Seiten hochgehen)

  • Kinder nach dem Streit ehrlich sagen können „Ich wollte das nicht“ – und es trotzdem wieder passiert

Das ist nicht „Absicht“. Das ist Biologie. Und ja: Das gilt für Kinder – und für uns Eltern auch.


Der schmale Grat: Wut zeigen, ohne sie abzuladen

Ein Teil, der mir besonders wichtig war (und ich glaube, viele von euch kennen genau diese Spannung):

Auf der einen Seite gibt es das „Ich bin halt authentisch“ – und dann kippt die ganze emotionale Ladung aufs Kind. Das ist keine Authentizität. Das ist Überforderung.

Und auf der anderen Seite gibt es das „Ich bin immer ruhig, total friedvoll, alles im Griff“ – und darunter liegt eine Wut, die man trotzdem spürt. Diese inkongruente Energie, dieses „GFK-Stimme oben – aber drunter brodelt es“. Für Kinder ist das extrem verwirrend.

Der Weg ist irgendwo dazwischen:

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Ich darf spürbar sein. Ich darf klar sein. Ich darf Wut als Energie fühlen.

Und ich trage die Verantwortung, dass mein Kind nicht zum Blitzableiter wird.

Genau das ist Beziehung. Echt. Und lernbar.


Wut ist nicht nur ein Nein. Wut ist auch ein Ja.

Ein Satz aus der Folge, der bei mir nachhallt:

Wut ist Autonomie.

Sie sagt „Nein, ich will nicht!“ – aber sie sagt auch „Ja, ich will!“

Wut zeigt, wo ein Bedürfnis lebt. Wo eine Grenze ist. Wo etwas nicht mehr passt. Und manchmal ist Wut der erste Schritt, um etwas zu verändern – in uns, in Beziehungen, im System.

Ich habe in der Folge auch erzählt: Ohne meine Wut würde ich vieles heute nicht tun. Ich würde mich nicht so einsetzen, dass Kinder bindungsstark durch Schule gehen können. Ich würde manche Dinge nicht verändern. Wut war an vielen Stellen mein Motor – nur eben: nicht als Zerstörung, sondern als Richtung.


Wie spreche ich mit meinem Kind über Wut?

Auch das war ein so wertvoller Teil:

Im Buch reden die Erwachsenen über Wut – kindgerecht, ehrlich, ohne Trauma-Dumping.

So wie wir über „Krieg in der Welt“ auch einen Mittelweg finden müssen: nicht verschweigen, aber auch nicht überfluten.

Genauso bei unserer Wut:

  • Ich kann sagen: „Ich bin gerade wütend.“

  • Ich kann später erzählen, was ich daraus gemacht habe.

  • Ich kann meinem Kind zeigen: Wut kann Veränderung anstoßen.

  • Und ich lasse die Themen weg, die mich komplett aus der Bahn werfen – die gehören in Begleitung, nicht in Kinderohren.

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Und was hilft

konkret, wenn es brennt?

Wir sprechen über Regulation – und auch über die Grenzen davon.

Ja: Atem ist ein wunderbarer Zugang zum Nervensystem.

Aber nein: Ein Kind im Vollstress kann nicht einfach „Feuer auspusten“ und dann ist gut.

Regulation ist Training. Wiederholung. Vor allem vor der Wut. Und manchmal ist Regulation auch: Raum schaffen. Weniger Reiz. Weniger Worte. Mehr Sicherheit.

In der Folge streifen wir auch die wichtige Unterscheidung: Wutanfall vs. Meltdown – gerade bei neurodivergenten Kindern. Weil es Situationen gibt, in denen Nähe und Sprache zu viel sind und Reizreduktion der erste Schritt sein muss. 

Und wir sprechen über körperliche, sichere Wege, wie Wutenergie raus darf: drücken, stampfen, Kraft spüren – ohne zu verletzen.


Warum du diese Folge hören solltest

Wenn du dich in einem dieser Sätze wiederfindest…

  • „Ich erreiche mein Kind nicht mehr, wenn es wütend ist.“

  • „Ich schaffe es manchmal nicht, ruhig zu bleiben.“

  • „Ich will nicht drohen, aber ich weiß mir nicht anders zu helfen.“

  • „Bei uns eskaliert es morgens so oft.“

  • „Ich will meinem Kind helfen, Wut zu verstehen – ohne dass alles explodiert.“

…dann ist diese Folge für dich.

Weil sie nicht beschämt.

Weil sie entlastet.

Weil sie Wut nicht wegmachen will – sondern in Beziehung führt.

Und weil Chris und ich uns da wirklich schön ergänzen: Ruhe, Klarheit, Energie – und der Blick darauf, dass Wut eine Superkraft sein kann, wenn wir sie zähmen lernen.

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Buch-Tipp & wo du mehr findest

📚 „Ups, ich bin wütend“ von Christopher End, Humboldt Verlag (Erscheinung: 26.02.) – ein Vorlesebuch, das nicht nur Geschichten erzählt, sondern Gesprächsanlässe schenkt: über Wut, Regulation, Grenzen, Autonomie.

🎧 Chris findest du auch im Podcast „Elterngedöns“ und auf Instagram bei @coach_end.

Und wenn du merkst: Ich will da nicht alleine durch, dann melde dich gern – in meinen 1:1 Beratungen schauen wir genau dahin, wo es immer wieder knallt, wo du nicht deinen Werten entsprechend handelst, wo es dich Kraft kostet. (Und nein: Die Lösung ist nicht „noch mehr zusammenreißen“.) 


Meine Frage an dich

An welcher Stelle in deinem Leben magst du deiner Wut ein Stückchen mehr zuhören?

Und was brauchst du, um deinem Kind Halt geben zu können, wenn Wut auftaucht?

Wenn du magst, hör direkt rein – und schreib mir danach, was dich am meisten berührt hat. Ich lese wirklich alles.

💌 Und wenn bei euch die Einschulung näher rückt: Bald kommen hier auch wieder Workshops & Kurse. Trag dich gern in meinen Newsletter ein, dann bekommst du alle Infos direkt.

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Christopher End

Christopher End ist Autor, Podcaster und eine ruhige, zugleich kraftvolle Stimme für Eltern, die einen bewussten Umgang mit Gefühlen lernen wollen – besonders mit Wut. Als Host des Podcasts Elterngedöns spricht er über Erziehung, Selbstentwicklung und Beziehung auf eine Weise, die reflektiert, tiefgehend und zugleich alltagsnah ist.

Mit seinem Buch „Ups, ich bin wütend“ macht er deutlich: Wut ist kein Problem, das wir beseitigen müssen – sondern eine Kraft, die verstanden und geführt werden will. Christopher verbindet psychologisches Wissen mit innerer Arbeit, neurobiologischen Zusammenhängen und einem klaren Blick auf das, was im Familienalltag wirklich passiert. Er erklärt, warum Kinder im Wutausbruch nicht manipulativ sind, weshalb unser Gehirn im Stressmodus anders funktioniert – und wie Eltern aus Eskalationsschleifen aussteigen können, ohne sich selbst zu verlieren.

In seiner Arbeit geht es nicht um schnelle Tipps oder perfekte Elternschaft. Es geht um Bewusstheit. Um Verantwortung. Und um den Mut, der eigenen Wut zuzuhören. Christopher begleitet Eltern dabei, alte Muster zu erkennen, innere Verletzungen zu heilen und Gefühle konstruktiv auszudrücken – klar, wertschätzend und beziehungsorientiert.

Seine Mission: Wut enttabuisieren, emotionale Reife stärken und Familien dabei unterstützen, Konflikte nicht zu vermeiden, sondern als Entwicklungschance zu nutzen. Nicht durch Kontrolle – sondern durch Verbindung.

Buch:https://christopher-end.de/

Instagram: https://www.instagram.com/coach_end/

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