#152Einschulung: Ich saß in der Badewanne und weinte – was ich als Ergotherapeutin und Mama daraus gelernt habe

 

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Als mir vor der Einschulung meines Kindes alles entglitten ist – und ich verstanden habe, was wirklich trägt

Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so dasitzen würde. In unserer Badewanne, das Wasser längst kalt geworden, und ich weine. Nicht dieses leise, kontrollierte Weinen, sondern dieses tiefe, erschöpfte, das irgendwo aus einer Mischung aus Angst, Hilflosigkeit und Überforderung kommt.

Und während ich dort sitze, ist mir gleichzeitig bewusst, wie absurd sich das anfühlt. Denn ich begleite seit Jahren Familien genau an diesem Punkt. Ich bin Ergotherapeutin, arbeite mit Eltern rund um Übergänge, rund um Schule, rund um genau diese Fragen: Wie stärke ich mein Kind? Wie begleite ich es gut? Was braucht es wirklich?

Ich kenne die Antworten.
Zumindest dachte ich das.
Und trotzdem sitze ich dort und habe das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren.

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Wenn Wissen plötzlich nicht mehr trägt

Mein Kind sollte eingeschult werden. Ein Kind, das nicht einfach „funktioniert“, das nicht unauffällig durch Systeme läuft, sondern eines, das fühlt, das intensiv ist, das manchmal aneckt, das seinen eigenen Rhythmus hat. Ein Kind, das bereits Erfahrungen gemacht hat, die ich mir anders gewünscht hätte, Erfahrungen, die Spuren hinterlassen haben – bei ihm, aber auch bei mir.

Und genau dieses Wissen, das mich sonst in meiner Arbeit so klar macht, wurde in diesem Moment zu etwas, das mich verunsichert hat. Ich wusste nicht nur, was möglich ist, ich sah plötzlich alles, was schieflaufen könnte. Ich sah nicht mehr nur Chancen, sondern Risiken, nicht mehr nur Entwicklung, sondern mögliche Brüche.

Als dann auch noch die Schulen absagten, auf die ich gehofft hatte, wurde aus dieser leisen Sorge etwas, das mich komplett erfasst hat. Es war nicht mehr dieses „Wir schauen mal“, sondern ein tiefes, körperliches Gefühl von: Ich kann mein Kind nicht schützen.

Und das hat mich mehr erschüttert, als ich erwartet hätte.
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Die Gedanken, die plötzlich alles einnehmen

In diesen Tagen war da nicht ein klarer Gedanke, den ich greifen konnte, sondern eher ein Geflecht aus Bildern und Gefühlen, die sich gegenseitig verstärkt haben. Da war die Vorstellung von einem System, das nicht zu meinem Kind passt. Da war die Angst, dass seine Lebendigkeit zu viel ist, seine Sensibilität nicht gesehen wird, seine Bedürfnisse keinen Platz finden.

Und gleichzeitig war da etwas anderes, das ich erst später verstanden habe: Mein eigener Rucksack hat sich geöffnet. Erfahrungen, Bilder, Prägungen – nicht unbedingt dramatisch, aber wirksam – lagen plötzlich ganz obenauf und haben meinen Blick gefärbt.

Ich habe nicht nur mein Kind gesehen.

Ich habe durch meine Geschichte auf mein Kind geschaut.

Und das verändert alles.


Warum dieser Punkt so viele Eltern trifft

In meiner Arbeit habe ich oft erlebt, dass genau dieser Übergang Eltern ins Wanken bringt – und inzwischen weiß ich, dass das kein Zufall ist. Gerade Eltern, die sich intensiv mit Beziehung, Entwicklung und Bedürfnissen beschäftigen, spüren an dieser Stelle oft besonders viel.

Nicht, weil sie unsicherer sind, sondern weil sie sensibler wahrnehmen. Weil sie nicht einfach „laufen lassen“, sondern hinschauen. Weil sie verstehen, was auf dem Spiel stehen kann – und genau deshalb mehr fühlen.

Doch dieses Mehr an Bewusstsein bringt nicht automatisch Sicherheit. Im Gegenteil, manchmal aktiviert es genau das Gegenteil: ein Nervensystem, das in Alarm geht, weil es die Verantwortung so deutlich spürt.

Und wenn unser Nervensystem im Alarm ist, dann beginnen wir zu handeln – nicht aus Ruhe, sondern aus Anspannung heraus.


Wie schnell wir ins Machen rutschen

Ich habe gemerkt, wie schnell mein Kopf angefangen hat, Lösungen zu suchen. Welche Schule wäre die richtige? Was könnte ich noch tun? Welche Vorbereitung fehlt noch? Was braucht mein Kind, damit es besser klarkommt?

Und obwohl sich das nach Fürsorge angefühlt hat, war darunter etwas anderes spürbar: ein innerer Druck, der nicht aus Vertrauen kam, sondern aus Angst.

Das ist ein feiner, aber entscheidender Unterschied.

Denn in dem Moment, in dem wir beginnen, aus Angst heraus zu handeln, verändert sich die Qualität dessen, was wir tun. Dann geht es nicht mehr nur darum, unser Kind zu begleiten, sondern auch darum, unser eigenes Gefühl von Unsicherheit zu regulieren – oft, ohne es zu merken.


Der Moment, in dem sich der Blick verändert

Diese zwei Tage, in denen ich einfach nur gefühlt habe, waren im Rückblick kein Stillstand, sondern Bewegung. Eine Bewegung nach innen, die notwendig war, damit sich überhaupt etwas klären konnte.

Denn erst dort wurde mir bewusst, dass ich gerade versuche, im Außen etwas zu kontrollieren, was eigentlich im Innen Halt braucht. Dass ich mein Kind vorbereiten will, während ich selbst gerade Halt suche.

Und genau an diesem Punkt hat sich etwas verschoben.

Ich habe aufgehört, sofort nach Lösungen zu greifen, und stattdessen angefangen, mich selbst ernst zu nehmen. Meine Angst nicht wegzuschieben, sondern zu verstehen. Meine Bilder nicht zu bekämpfen, sondern zu hinterfragen. Meinen eigenen Rucksack nicht zu ignorieren, sondern hineinzuschauen.


Was Kinder wirklich spüren

Was mir dabei noch einmal klar geworden ist – und was ich auch aus meiner Arbeit kenne – ist, dass Kinder nicht das aufnehmen, was wir ihnen erklären, sondern das, was wir verkörpern.

Ich kann die besten Sätze sagen, die klügsten Strategien anwenden, die liebevollsten Worte wählen – wenn mein Nervensystem im Alarm ist, wird mein Kind genau das spüren.

Nicht, weil es etwas falsch macht.

Sondern weil es so fein mit uns verbunden ist.

Und genau deshalb beginnt Sicherheit nicht bei dem, was wir tun, sondern bei dem, was wir ausstrahlen.


Besonders dann, wenn Kinder sensibler reagieren

Gerade bei Kindern, die sensibel sind, die intensiver fühlen oder neurodivergent sind, wird dieser Zusammenhang noch deutlicher. Diese Kinder nehmen oft noch schneller wahr, wenn etwas nicht stimmig ist, wenn Anspannung im Raum liegt, wenn Unsicherheit mitschwingt.

Und das macht sie nicht „schwieriger“, sondern feinfühliger.
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Gleichzeitig bedeutet es aber auch, dass sie besonders darauf angewiesen sind, dass wir ihnen einen stabilen Rahmen geben können. Nicht perfekt, nicht fehlerfrei, aber tragend.


Was sich für mich verändert hat

Ich habe angefangen, meine eigene Regulation ernst zu nehmen. Nicht als „Zusatz“, nicht als etwas, das ich mache, wenn noch Zeit ist, sondern als Grundlage.

Ich habe mir Unterstützung geholt, habe mich begleiten lassen, habe Räume genutzt, in denen ich selbst gehalten war. Und genau das hat mir ermöglicht, wieder klarer zu sehen, ruhiger zu werden, mich innerlich zu sortieren.

Und aus dieser inneren Stabilität heraus konnte ich wieder in Beziehung gehen. Konnte mein Kind nicht aus Angst heraus begleiten, sondern aus Verbindung.
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Und dann kam dieser eine Satz

Als der erste Schultag vorbei war, war nichts spektakulär anders. Es war keine perfekte Schule, keine außergewöhnliche Situation, keine magische Lösung.

Und trotzdem kam mein Kind am nächsten Tag zu mir und sagte:

„Mama, das war der schönste Tag meines Lebens.“

Dieser Satz hat mich tief berührt, weil er mir gezeigt hat, dass es nicht die äußeren Bedingungen waren, die den Unterschied gemacht haben. Sondern das, was wir innerlich getragen haben.
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Was ich heute anders sehe

Wenn ich heute auf diese Zeit zurückblicke, sehe ich klarer, wie stark unsere inneren Bilder unseren Blick prägen können. Wie schnell aus Sorge Druck wird, wie schnell aus Fürsorge Kontrolle entsteht und wie leise sich unser eigener Rucksack in die Beziehung zu unserem Kind schiebt.

Und ich sehe gleichzeitig, wie viel sich verändern kann, wenn wir bereit sind, dort hinzuschauen.

Nicht, um alles richtig zu machen.

Sondern um ehrlicher zu werden.


Was ich dir mitgeben möchte

Wenn du gerade an diesem Punkt stehst, dann möchte ich dir nicht sagen, was du tun sollst. Ich möchte dir eher eine andere Perspektive anbieten.

Vielleicht geht es gar nicht darum, noch mehr zu tun.
Vielleicht geht es darum, kurz innezuhalten.

Dich zu fragen, was dich gerade wirklich bewegt. Welche Bilder in dir wirken. Welche Erfahrungen mitschwingen. Und ob das, was du gerade tust, aus Vertrauen entsteht – oder aus Angst.

Denn genau dort liegt der Unterschied.

Und genau dort beginnt die Form von Halt, die dein Kind wirklich trägt.


Eine Einladung

Vielleicht nimmst du dir heute Abend ein paar Minuten für dich. Ohne To-do-Liste, ohne Ziel, ohne Anspruch.

Und statt zu überlegen, was dein Kind noch braucht, richtest du den Blick einmal nach innen und fragst dich:

Wie soll sich mein Kind am ersten Schultag fühlen?

Und was braucht es von mir, damit genau dieses Gefühl entstehen kann?

Nicht perfekt.

Aber stabil.
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✨ Und wenn du tiefer eintauchen möchtest: Hör unbedingt in die Podcastfolge rein. Dort nehme ich dich noch persönlicher mit durch genau diesen Prozess – von der Angst bis hin zu dem, was wirklich getragen hat.

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