#166 – Ist liebevoll immer gemütlich? Ungemütliche Gedanken über Liebe und Verantwortung als Mutter

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Mathe ohne Stress – warum Lernen nur auf dem grünen Planeten funktioniert

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Erinnerst du dich an dieses eine Fach in deiner Schulzeit? Das Fach, bei dem du schon beim Blick auf den Stundenplan gespürt hast: Oh nein.

Bei mir war es Französisch. Ich weiß noch genau, wie es sich angefühlt hat, im Unterricht zu sitzen. Diese Schwere in den Schultern. Dieses Ziehen im Bauch. Und im Kopf nur ein Gedanke: Ich versteh das nicht.

Meine Lehrerin sagte einmal zu mir: „Du bist nicht so dumm, wie du guckst.“ Motivierend war das nicht. Und doch hat sie, ohne es zu wissen, etwas sehr Wahres über unser Nervensystem ausgesprochen.

Bei vielen ist dieses Fach Mathe. „Mathe ist ein Arschloch“, „Mathe kann ich nicht“ – diese Sätze höre ich ständig. Und Mathe frisst in so vielen Familien so viel Energie: Hausaufgaben, Üben, Kämpfe. Ganze Nachmittage, ganze Wochenenden. Gerade dann, wenn ADHS oder Autismus mit im Boot sitzen.

🎧 Jetzt in die neue Folge reinhören: In dieser Episode von Chaos, Herz & Wachstum spreche ich mit Luise – Physikerin, Mathelehrerin und Autorin von „Mathe ohne Stress“ – darüber, warum Lernblockaden nichts mit Intelligenz zu tun haben und was Kinder wirklich brauchen, um sicher zu lernen.

Wenn Zahlen plötzlich alles verändern

Ich habe in meinem Umfeld zwei Frauen, die ich sehr bewundere. Sie denken klar, logisch, sprühend. Doch sobald es um Zahlen geht, passiert etwas: Die Leichtigkeit ist weg. Es wird stockend, unsicher, als würde plötzlich ein anderer Mensch vor mir sitzen.

Luise kennt genau das. Und sie sagt ganz klar: Das hat nichts mit Intelligenz zu tun – sondern mit Stressregulation.

Wer mit Mathe schlechte Erfahrungen gemacht hat, gerät beim Anblick des Mathebuchs schon in Stress. Und in diesem Stresszustand arbeitet unser Gehirn anders. Genau die Bereiche, die wir zum Denken, Verstehen und Rechnen brauchen, steigen aus. Wir fühlen uns dumm – nicht, weil wir es sind, sondern weil unser Nervensystem gerade auf Überleben statt auf Lernen geschaltet hat.

Drei Planeten – und auf welchem wir lernen

In meinem Buch beschreibe ich Nervensystemzustände als Planeten: Auf dem grünen Planeten können wir gut denken und mitfühlen. Auf dem roten Planeten sind wir in hoher Aktivierung. Auf dem blauen Planeten sind wir runtergefahren.

Woran erkennst du, auf welchem Planeten dein Kind gerade ist?

– Roter Planet: zappelig, kann nicht stillsitzen, redet schnell, hört nicht mehr zu – Blauer Planet: gähnt, träumt, wirkt abwesend, „stellt sich tot“ – Übergänge: Eben noch fröhlich im Spiel – und sobald das Wort Mathe fällt, ist dein Kind nicht mehr erreichbar

Und oft spürst du es einfach. Vertrau deinem Bauchgefühl.

Erst regulieren, dann rechnen

Viele Eltern erzählen mir in der Beratung: „Mein Kind hat Schwierigkeiten in Mathe – also müssen wir jetzt mehr üben.“ Und dann wird erklärt, geübt, nochmal erklärt.

Luise hat dafür eine klare Regel: Erst regulieren, dann rechnen.

Üben bringt nur dann etwas, wenn dein Kind auf dem grünen Planeten ist. Sitzt es auf dem blauen oder roten Planeten und wir üben trotzdem stundenlang, dann vergrößern wir den Stress – und die Blockade gleich mit. Wir erreichen genau das Gegenteil von dem, was wir wollen.

Das Spannende: Luise erklärt als Mathelehrerin so wenig wie möglich. Denn Erklärungen erhöhen den Stress, wenn ein Kind nicht reguliert ist. Sie arbeitet deshalb viel mit Montessori-Material, das sich selbst erklärt.

Was hilft, auf den grünen Planeten zu kommen

Bewegung, Spiel und Pausen. Fünf Minuten Bewegung zwischendurch wirken oft Wunder. Gerade Kinder mit ADHS brauchen manchmal zusätzliche Reize, um sich konzentrieren zu können – ich fummle bei Podcastaufnahmen zum Beispiel immer an meiner Handyschnur. Bei Kindern mit Autismus geht es dagegen oft darum, Reize zu reduzieren.

Raus aus der Bewertung. Statt „Das solltest du doch längst können“ lieber: „Okay, das kleine Einmaleins klappt noch nicht so. Dann schauen wir mal, wie wir das machen.“

Da sein – Koregulation. Nicht für das Kind rechnen. Nicht viel erklären. Sondern sich einfach danebensetzen. Präsent sein. Luise sagt, das wirke oft wie eine Zauberkraft.

Die Wahrnehmung des Kindes ernst nehmen. Nicht „Aber deine Lehrerin ist doch nett“, sondern: „Mathe fühlt sich für dich gerade richtig scheußlich an. Was brauchst du?“

Warum „Das schaffst du schon“ manchmal nicht hilft

Wir meinen es gut. Wir wollen unser Kind stärken und sagen: „Das kannst du doch!“

Doch für ein Kind auf dem blauen Planeten fühlt sich das ganz anders an. Seine eigene Wahrnehmung wird übergangen – und gleichzeitig steigt der Druck: Alle erwarten, dass ich das kann. Das verschlimmert die Lage.

Genauso wirken Sätze wie „Das ist doch ganz einfach“ oder Situationen, in denen Kinder beschämt werden. Luise erzählt aus ihrem „Mathehasser:innen-Club“: Kinder mit Matheproblemen hassen Mathespiele – weil sie immer die Gefahr bergen, vor anderen bloßgestellt zu werden.

Mathe – eine Familienkrankheit?

„Ich konnte Mathe auch nie, das liegt bei uns in der Familie.“ Diesen Satz hört Luise auf Elternsprechtagen ständig.

Doch Matheangst ist keine Erbkrankheit. Kinder lernen über ihre Bezugspersonen, was gefährlich ist und was sicher. Wenn unser Nervensystem beim Thema Mathe auf Stress schaltet, lernt das Kind: Mathe bedeutet Gefahr. Da hilft auch kein noch so positiver Satz, wenn unser Körper etwas anderes sagt.

Unser Nervensystem sitzt mit am Tisch

Wenn wir mit unserem Kind das Einmaleins üben, sitzen da noch andere mit: die Noten, der Übergang aufs Gymnasium, unsere eigenen Erfahrungen. Dieser Druck ist real und verständlich.

Und genau deshalb dürfen wir unsere emotionalen Hausaufgaben machen. Denn wir können unser Kind nur dann zurück auf den grünen Planeten holen, wenn wir selbst dort sind. Luise nennt es Leuchtturm. Ich nenne es Halt – Halt in diesen Stürmen.

Dazu gehören auch bewertungsfreie Lernräume: Orte, an denen Fehler erlaubt sind. Denn wer Angst vor Fehlern hat, meldet sich nur noch, wenn er sicher ist. Und so lernt niemand gut.

Ein Weg, der Mut macht

Luises eigene Lerngeschichte ist alles andere als gerade. Als Grundschülerin war sie hochmotiviert, später führten schwierige Lebensumstände dazu, dass sie die Schule komplett verweigerte – ohne Abitur. Jahre später machte sie das Abitur extern nach und schloss ihr Physikstudium mit einem Einser-Diplom ab.

Was ihr damals gefehlt hat? Emotionale Begleitung. Genau das gibt sie heute weiter – als Lehrerin, die Kindern ohne Bewertung begegnet und sagt: Wenn du hier gerade nicht zurechtkommst, ist das okay.

Mein Fazit für dich

Lernen funktioniert auf dem grünen Planeten. Ob Mathe, Deutsch, Französisch – oder Beziehung.

Alles, was wir auf dem blauen oder roten Planeten hineinfeuern, kostet uns Energie und bringt kaum etwas. Wenn wir verstehen, was im Nervensystem passiert, können wir Begleitung anbieten, die wirklich ankommt. Und genau dort sparen wir Energie – für uns und für unsere Kinder.

🎧 Hör in die Folge rein, wenn du wissen möchtest, – warum Lernblockaden nichts mit Intelligenz zu tun haben – wie du erkennst, auf welchem Planeten dein Kind gerade ist – und wie du es beim Lernen wirklich begleiten kannst.


🎁 Meine Regulationstage – kostenfrei für dich Spare deine Energie und lerne, zwischen Wutanfall und Meltdown zu unterscheiden. Vom 15. bis 19. Oktober zeige ich dir, wo deine Energie im Familienalltag verloren geht und wie du sie sparen kannst – auch beim Lernen und bei den Hausaufgaben. Für neurodivergente und neurotypische Familien. 👉 [LINK ZUR ANMELDUNG]

📚 Luises Buch „Mathe ohne Stress – Wie Kinder und Jugendliche ihr Mathetrauma überwinden“ erscheint am 12. Oktober und ist überall im Buchhandel erhältlich. Mehr von Luise: sichermathelernen.de sowie auf Instagram und YouTube unter „sichermathelernen“.

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Luise Haeggqwist

Luise ist Physikerin, Mathelehrerin, Autorin und eine ruhige, zugleich sehr klare Stimme für alle Kinder, Jugendlichen und Eltern, für die Mathe längst mehr ist als ein Schulfach – nämlich ein Gefühl von Druck, Scham und „Ich kann das einfach nicht“.

Mit ihrem Buch Mathe ohne Stress – Wie Kinder und Jugendliche ihr Mathetrauma überwinden“ zeigt sie, dass Lernblockaden nichts mit Intelligenz zu tun haben, sondern mit Stressregulation. Sie beschreibt verständlich und nahbar, was im Nervensystem passiert, wenn Zahlen ins Spiel kommen, und warum mehr Üben und mehr Erklären oft genau das Gegenteil bewirken.

Luise verbindet ihre eigene, alles andere als gerade Lernbiografie mit fundiertem Wissen aus der Traumapädagogik und der Montessori-Mathematik. Dadurch macht sie sichtbar, was Kinder wirklich brauchen, um wieder lernen zu können: Sicherheit, Begleitung und Räume ohne Bewertung.

Ihre Mission: Mathe zu einem Ort machen, an dem sich Kinder sicher fühlen. Damit Lernen wieder möglich wird und niemand mehr glaubt, einfach „zu dumm für Mathe“ zu sein.

Mehr von Luise: unter sichermathelernen sowie auf Instagram und YouTube unter „sichermathelernen“.

Instagram ➡️ https://www.instagram.com/sichermathelernen

 

 

 

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