#166 – Ist liebevoll immer gemütlich? Ungemütliche Gedanken über Liebe und Verantwortung als Mutter
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Weitere Informationen 'Ist liebevoll immer gemütlich? Warum Liebe auch Klarheit braucht
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Heute Morgen durfte mein Tag wieder mit Sport beginnen. Und es hat mir so gutgetan.
Lange dachte ich, Sport ist dafür da, gut auszusehen. Bis Embodiment in mein Leben kam. Heute weiß ich: Ich bewege mich nicht, um gut auszusehen, sondern um mich gut zu fühlen. Nicht im Sinne von „immer happy“, sondern so, dass ich spüre, was in mir ist. Auch wenn es ungemütlich ist.
Und genau dort passiert etwas, das ich als neurodivergente Person in einer neurotypischen Welt so sehr brauche: Chaos im Kopf wird zu Klarheit im Körper.
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Eigentlich standen heute Content und Abrechnung auf meinem Plan. Doch dann habe ich eine Mail geschrieben – und plötzlich hat sich etwas zusammengefügt. Gedanken, die mich privat und beruflich schon länger begleiten. Daraus ist eine ganz spontane Extrafolge entstanden. Ohne Intro, ohne Outro, ohne Vorbereitung. Einfach aus diesem Moment heraus.
🎧 Jetzt in die Folge reinhören: In dieser Extrafolge von Chaos, Herz & Wachstum nehme ich dich mit in meine Gedanken über Liebe, Klarheit und Verantwortung.
Schokolade oder Nudeln?
Ich mache mir gerade viele Gedanken über Liebe. Was ich gelernt habe, was Liebe ist. Was ich davon behalten möchte. Und was ich meinen Kindern weitergeben will.
Und vor allem über eine Frage: Ist liebevoll eigentlich immer gemütlich?
Ein Beispiel aus dem Alltag: Mein Kind kommt zu mir und sagt: „Mama, ich möchte Schokolade.“
Sofort Ja sagen und den Schrank öffnen? Das wäre erst mal gemütlich.
Oder mein Kind in den Arm nehmen und gemeinsam schauen: Wann hast du das letzte Mal gegessen? Hast du vielleicht gerade Hunger? Braucht dein Körper Nährstoffe?
Vielleicht ist es gar kein Entweder-oder. Vielleicht kann ich Ja zu den Nudeln sagen – und Ja zur Schokolade. Erst bekommt dein Körper, was er braucht, und danach genießen wir gemeinsam ein Stück Schokolade.
Das ist für mich liebevolle Verantwortung.
Was dagegen nicht liebevoll ist: „Immer willst du Schokolade. Hör auf, mich zu nerven.“ Abwertung wird nicht liebevoller, nur weil darunter vielleicht eine berechtigte Grenze liegt.
Wenn das Nervensystem etwas anderes braucht als der Wunsch
Besonders genau hinschauen dürfen wir bei Neurodivergenz. Denn in einer neurotypischen Welt, mit einer neurotypischen Interpretationsbrille, deuten wir Verhalten oft so, dass es Beziehung schädigt und Entwicklung verhindert.
Dein neurodivergentes Kind kommt völlig überreizt aus Schule oder Kita – und sagt trotzdem: „Ich will unbedingt noch auf den Spielplatz.“
Ist es automatisch liebevoll, diesem Wunsch zu folgen, nur weil er so deutlich ist?
Oder kann es liebevoller sein zu sagen: „Ich weiß, dass du auf den Spielplatz möchtest. Und ich sehe gleichzeitig, wie voll dein Reizrucksack gerade ist. Dein Körper hat heute schon so viel gearbeitet. Deshalb fahren wir jetzt nach Hause.“
Vielleicht ist dein Kind darüber wütend. Vielleicht protestiert es. Und trotzdem kann dein Nein liebevoll sein.
Denn bedürfnisorientiert heißt nicht, jedem Wunsch zu folgen. Es heißt, Verantwortung dafür zu übernehmen, dein Kind wirklich zu verstehen.
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Fürsorge braucht Liebe – und Wissen
Dazu gehört Wissen. Über die individuelle Reizverarbeitung deines Kindes. Über Neurodivergenz und Bindungsmuster. Über den Unterschied zwischen Wünschen und Bedürfnissen. Und über grundlegende pädagogische Zusammenhänge – zum Beispiel, dass Strafen nicht das sind, was Kinder zum Lernen brauchen.
Und ja, auch hier gibt es Gleichzeitigkeit: Ruhe ist nicht immer gleich Regulation. Auch Bewegung kann regulieren.
Was braucht dein Kind gerade wirklich? – Ruhe? – Essen oder eine Toilette? – Bewegung ohne soziale Anforderungen? – Dosierte Reize? – Oder einfach einen sicheren Ort, an dem nichts mehr von ihm verlangt wird?
Manchmal ist ein liebevolles Ja ein Nein zu noch mehr Reizen. Nicht, um zu kontrollieren. Sondern weil ich die Reizverarbeitung meines Kindes ernst nehme. Und weil Verantwortung manchmal bedeutet, etwas zu sehen, was mein Kind in diesem Moment selbst nicht sehen kann.
Gleichzeitig geht es hier um Macht. Ich habe sie, ich kann sie nicht ignorieren. Die Frage ist: Wie gehe ich verantwortungsvoll damit um?
🎧 In der Folge erzähle ich dir, warum Grenzen, Klarheit und ein Nein zutiefst liebevoll sein können.
Angepasst ist nicht automatisch liebevoll
Auf meiner eigenen Forschungsreise bin ich noch an einem weiteren Punkt gelandet.
Uns Frauen wurde oft beigebracht, dass liebevoll sein heißt: angepasst sein. Nicht anecken. Immer Verständnis haben. Eigene Grenzen nicht ernst nehmen. Es allen recht machen. Nicht zu viel, nicht zu anstrengend, nicht zu emotional sein.
Heute glaube ich: Angepasst oder gemütlich zu sein, ist nicht automatisch liebevoll. Und dieses Angepasst-sein-Wollen hält uns oft davon ab, Verantwortung zu übernehmen.
Klarheit kann Halt geben. Klarheit gibt Orientierung. Klarheit kann entlasten – selbst wenn sie ungemütlich ist.
Ich sehe dich – und deine Verantwortung
Deshalb möchte ich heute genauso mit dir sein: klar, warm, haltgebend.
Ich kenne Elternschaft mit neurodivergenten Kindern. Ich kenne alleinerziehende Elternschaft. Ich kenne Gegenwind, Erschöpfung, das ganze Wissen im Kopf – und diesen Moment, in dem der eigene Körper trotzdem im Alarm ist und nichts mehr geht.
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Ich sehe dich.
Vielleicht hast du nie gelernt, deine Gefühle gut zu regulieren. Vielleicht fehlt dir Wissen darüber, wie das Nervensystem deines Kindes arbeitet. Vielleicht stolperst du über Glaubenssätze aus deiner eigenen Kindheit. Vielleicht bringst du Narben mit – wie so viele von uns.
All das ist nicht deine Schuld. Und gleichzeitig nimmt uns unser eigener Rucksack die Verantwortung nicht ab. Unsere Kinder sind abhängig von uns. Von unserer Klarheit, unserem Wissen, unserem Halt und unserer Bereitschaft hinzuschauen.
Emotionale Hausaufgaben machen
Ich sage über mich selbst: Ich bin die, die ihre emotionalen Hausaufgaben macht, damit der eigene Scheiß nicht auf den Schultern der Kinder landet.
Das ist kein Prozess, den du einmal machst und dann abhakst. Es geht immer weiter, immer tiefer. Es ist ungemütlich – und so wohltuend.
Emotionale Hausaufgaben machen heißt nicht, perfekt zu sein. Auch ich stolpere. Auch ich werde getriggert. Auch ich mache Fehler. Und dann schaue ich hin. Genau das ist für mich Verantwortung.
Liebe allein ersetzt kein Wissen. Eine bindungsorientierte Haltung ersetzt kein Verständnis für Neurodivergenz. Und ein guter Vorsatz hilft dir mitten im Meltdown nur begrenzt, wenn du nicht verstehst, was in diesem Moment passiert.
Liebevolle Elternschaft beginnt nicht bei der Perfektion, sondern bei der Bereitschaft hinzuschauen.
🎧 Hör in die Folge rein, wenn du wissen möchtest, – warum liebevoll nicht immer gemütlich sein muss – wie ein Nein deinem Kind Halt geben kann – und warum Liebe mehr ist als ein Gefühl.
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Und wenn es piekst?
Vielleicht piekst dieser Text an der einen oder anderen Stelle. Das ist okay. Nicht jedes Pieksen bedeutet, dass etwas falsch ist. Manchmal zeigt uns gerade das Ungemütliche, wo wir wachsen dürfen.
Und vielleicht sagst du auch: „Kiran, das ist nicht mein Ort.“ Auch das ist vollkommen okay. Grenzen dürfen liebevoll und klar sein.
Wenn du bleiben möchtest, nimm dir diese Fragen mit: – Was ist Verantwortung für dich? – Was hast du über Liebe gelernt? – Ist Liebe für dich nur ein Gefühl – oder auch ein Tuwort? – Was möchtest du deinen Kindern weitergeben?
Und nimm deinen Körper mit. Liebevoll und klar.
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💌 Mein Fazit für dich Du bist okay, wie du bist. Und du darfst Verantwortung übernehmen, ohne dich dafür fertigzumachen. Wenn du deinen Rucksack kennenlernen möchtest, damit dein Kind ihn nicht tragen muss: Herzlich willkommen. Genau dafür mache ich diese Arbeit.
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