#167 – Explodieren, erstarren, funktionieren: Dein Nervensystem zeigt: So geht es nicht weiter
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Podigee. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Weitere Informationen 'Explodieren, erstarren, funktionieren – warum es leichter sein darf
➡️ Rückenwind: mein 12-Wochen-Kurs für Familien mit ADHS, Autismus oder anderer Neurodivergenz. Starte am 26. Oktober und bring mehr Regulation in euren Alltag.
👉 Hier anmelden
Nur nicht brüllen. Nur nicht wütend werden.
Viele von uns glauben: Solange wir unsere Kinder nicht anbrüllen, ist alles in Ordnung. Wut ist das Zeichen, dass unser Nervensystem überlastet ist.
Ganz so einfach ist es nicht.
Explodieren ist ein Notzustand unseres Nervensystems. Erstarren auch. Und dann gibt es einen dritten, den so viele Eltern kennen und der kaum auffällt: das Funktionieren.
Alle drei sagen uns dasselbe: Hier ist zu viel Gegenwind. Es darf sich etwas verändern.
🎧 Jetzt in die Folge reinhören: In der aktuellen Folge von Chaos, Herz & Wachstum erzähle ich dir, wie Veränderung im Alltag aussehen kann – und warum sie oft so schwerfällt.
Ein ganz normaler Montagmorgen
Vielleicht kennst du das: Du willst los, der Schlüssel ist weg, die Kinder sind nicht fertig. Eins brüllt, weil die Leggings plötzlich nicht mehr geht – die, die du extra gestern hingelegt hast. Die von gestern hat einen Fleck. Dein Partner fragt, wo die Brotdosen sind. Die Arbeit wartet. Ihr seid sowieso zu spät.
Und eigentlich hattest du dir einen entspannten Morgen vorgenommen.
Also doch wieder die Erpressung: Wenn ihr jetzt kommt, gibt es am Nachmittag das Tablet. Irgendwie schafft ihr den Abschied. Und auf dem Weg zur Arbeit fährt das schlechte Gewissen mit.
Nachmittags die Hausaufgaben. Abends nur noch Erschöpfung. Du weißt so viel, du explodierst nicht mehr so oft. Irgendwie klappt es.
Das ist ein Alltag mit unglaublich viel Gegenwind. Und das ist nicht dein Fehler. Es ist ein Alltag im Überlastungsmodus – für dich und für dein Kind.
Mein Moment mit Rückenwind
Auch ich kenne diese Morgen. Und ich kenne das Gefühl: Ich schaffe das. Ich kann gut funktionieren. Doch zu welchem Preis?
Vor fast zwei Jahren, während einer Mutter-Kind-Kur, war ich oft am Meer laufen. Es war Winter, der Wind wehte mir entgegen, Tropfen im Gesicht. Und ich mochte es. Ich habe es geschafft. Ich kann ganz schön viel schaffen.
Dann ging es zurück. Mit Rückenwind.
Das war ein völlig anderes Gefühl. Nicht, weil ich den Gegenwind nicht geschafft hätte. Sondern weil plötzlich spürbar wurde: Was kann eigentlich möglich sein?
Aus diesem Gefühl heraus bin ich einen mutigen Schritt in die Veränderung gegangen. Und mitten im Sturm hat mir eine Mutter, die ich begleiten durfte, ein Bild geschenkt. Sie hatte in ihrem eigenen Wachstum zurück zu ihrer Kunst gefunden. Annehmen war für mich eine Challenge – und genau das hatte ich mir vorgenommen. Ihr Bild heißt „Rückenwind“. Heute hängt es in meinem Zimmer, und ich sehe es jeden Morgen.
🎧 Jetzt in die Folge reinhören
Die drei Notzustände unseres Nervensystems
Warum sollten wir nicht explodieren, erstarren oder einfach funktionieren?
Weil unser Leben lebendiger sein darf. Und weil wir in diesen Notzuständen nicht so feinfühlig mitschwingen können, wie unsere Kinder es für sicheren Halt und eine stabile Bindung brauchen.
Das heißt nicht, dass wir nie wütend sein dürfen. Wir dürfen Stopp sagen, für unsere Grenzen einstehen, unsere Kinder dürfen uns in unseren Gefühlen erleben. Doch die Grundlage unseres Zusammenlebens darf Sicherheit sein.
🔥 Explodieren: Wenn wir platzen, beschämen oder Dinge sagen, die nicht zu unseren Werten passen, sind wir nicht schlecht. Unser Nervensystem trägt zu viel.
🧊 Erstarren: Wenn wir morgens schon erschöpft sind und uns Bewegung schwerfällt, sind wir nicht faul. Unser Nervensystem ist überlastet. Und wenn dein Kind dann weint, kannst du kaum darauf eingehen.
⚙️ Funktionieren: Eins nach dem anderen abarbeiten, sich anpassen, es richtig machen. Im Funktionieren ist es so schwer, wirklich in Verbindung zu sein, die Freude in den Augen deines Kindes zu sehen und Halt zu geben, wenn es traurig ist.
Funktionierende Elternschaft ist kein persönliches Versagen. Sie ist das Ergebnis von viel Gegenwind – und davon, dass die meisten von uns gesunde Selbstregulation nie gelernt haben.
Regulation braucht den Körper
Vielleicht kennst du das: Du hast Bücher gelesen, Podcasts gehört – und trotzdem kippt es. Der Körper übernimmt. Bei dir und bei deinem Kind.
Dann hilft nicht noch mehr Wissen und nicht noch mehr Erklären. Dann geht es um Regulation.
Wissen ist wertvoll. Es gibt Orientierung. Doch nur etwa 20 Prozent unserer Regulation laufen vom Kopf in den Körper. 80 Prozent laufen vom Körper in den Kopf. Wer nur über Wissen geht, lässt den größten Teil liegen.
Gerade wir neurodivergenten Menschen nehmen unseren Körper oft anders wahr und vergessen leicht die Basics. Doch Gefühlsregulation braucht einen vollen Akku.
Mach zweimal täglich einen Akku-Check: – Muss ich auf die Toilette? – Habe ich Hunger oder Durst? – Ist mir zu warm oder zu kalt?
Eine volle Blase zum Beispiel sendet ständig Signale ans Gehirn – und nimmt dir Kapazität, die du für Regulation brauchst.
🎧 In der Folge erzähle ich dir außerdem, warum ich als Ergotherapeutin vor meiner Mutterschaft dachte, ich wüsste schon alles – und wie sehr ich mich geirrt habe.
Anerkennen statt anpassen
Unsere Kinder nehmen die Welt anders wahr. Sie sind oft reizoffener, gehen von null auf hundert, ihr Reizrucksack ist schnell voll. Nicht besser, nicht schlechter. Anders.
Und wie oft wird uns gespiegelt: Dein Kind ist zu laut, zu leise, zu langsam, zu wild. „Trau ihm doch mal was zu.“ „Du musst halt Grenzen setzen.“
Von außen sieht kaum jemand, was wir leisten. An welcher Stelle es Co-Regulation braucht, wo der richtige Trick hilft, wann der Apfelschnitz genau dort liegen muss. Das ist kein Helikoptern. Das ist Feinfühligkeit.
Ich mag dafür das Bild vom Linkshändigsein. Meine Mutter war Linkshänderin und wurde umtrainiert. Ihr Leben lang hatte sie das Gefühl, mit keiner Hand richtig zurechtzukommen.
Heute würde niemand mehr ein linkshändiges Kind umtrainieren. Und trotzdem leben wir in einer Rechtshänderwelt: Scheren, Türschlösser, Stifte. Es braucht Hilfsmittel und Ausgleich.
Genauso ist es mit Neurodivergenz. Es geht nicht ums Anpassen, sondern ums Anerkennen. Und daraus entstehen Möglichkeiten.
🎧 Jetzt in die Folge reinhören
„Ist es bei uns überhaupt schlimm genug?“
Viele Eltern fragen sich das. Es klappt doch irgendwie. Nur ein bisschen mehr Funktionieren, ein bisschen mehr Erstarren, ein bisschen mehr Explodieren.
Ich möchte daneben eine andere Frage stellen: Was könnte möglich sein?
Gerade neurodivergente Familien erleben oft Wellen. Bessere Phasen, in denen es gar nicht so schlimm wirkt. Und dann kommt die nächste Welle – oft umso heftiger.
Auch ich habe mir lange erzählt: Ich weiß doch schon so viel. So schlimm ist es nicht. Mein erstes Coaching habe ich gebucht, um es „beruflich nutzen“ zu können. Was für ein Quatsch. Gelernt habe ich vor allem über mich – und wie wertvoll ein Blick von außen ist.
Das Gegenteil ist nicht die Lösung
Viele von uns haben als Kinder Dinge erlebt, die wir nicht weitergeben wollen. Strenge Regeln zum Beispiel. Also machen wir jetzt einfach keine Regeln.
Doch das Gegenteil zeigt immer noch unsere Narben. Es ist kein freies Spüren: Was braucht mein Kind? Was brauchen wir?
Eine Mutter in meiner Beratung wollte ihrem Kind ein Nein geben. Sie erklärte, schob noch eine Erklärung hinterher, wollte es auf keinen Fall enttäuschen. Bis ihr Kind sagte: „Mama, sag doch einfach Nein.“
Klarheit gibt Orientierung. Die Kunst liegt darin zu spüren, wann ein Nein Halt gibt – und wann es zum Machtkampf wird, der eurer Beziehung schadet.
🌬️ Rückenwind – Co-Regulation für neurodivergente Familien Ab dem 26. Oktober begleite ich dich zwölf Wochen lang dabei, dein Nervensystem und das deines Kindes regulieren zu lernen. Für Familien mit ADHS, Autismus, Hochsensibilität, Gefühlsstärke oder anderen Neurodivergenzen.
Das erwartet dich: – kurze Videoimpulse in freier Zeiteinteilung – alle zwei Wochen ein virtuelles Lagerfeuer zum Austausch, gern auch ohne Kamera – eine Chatgruppe und kleine Unterstützungspartnerschaften – KI Kira, die erste bindungsorientierte KI, für Hilfe aus der Hosentasche
Neurodivergenzsensibel: Du nimmst mit, was zu dir passt. 👉 [LINK ZUR ANMELDUNG]
Impulse für dich
Nimm dir einen Gedanken mit, der gerade zu dir passt:
– Welchen Modus erkenne ich bei mir zuerst – und wo spüre ich ihn im Körper? – Was passiert in den zehn Minuten davor? – Wo funktioniere ich gerade, wo möchte ich lieber echt sein? – Kann ich meinem Kind aus der Sicherheit heraus Nein sagen – ohne Wut und ohne Schuldgefühle? – Wie habe ich nach dem letzten Kippen wieder Kontakt hergestellt? – Wo war heute Gegenwind – und was hätte mir Rückenwind gegeben?
💌 Mein Fazit für dich Du bist nicht falsch. Dein Kind auch nicht. Es ist nicht zu viel, nicht zu laut, nicht zu leise – es ist anders. Vielfalt ist die Norm. Du gehst seit Jahren im Gegenwind. Es darf leichter werden.
🎧 Hör in die Folge rein, wenn du wissen möchtest, – woran du Explodieren, Erstarren und Funktionieren erkennst – warum Regulation über den Körper geht – und wie aus Gegenwind Rückenwind werden kann.
Was ist in eurem Alltag gerade der größte Gegenwind? Schreib es mir gern unter die Folge oder auf Instagram.
📩
🎧 Jetzt in die Folge reinhören
✨ Folge mir & bleib verbunden
💬 Coaching & Begleitung
-
Familiencoaching Online – Begleitung für dich und deine Familie
-
SOS-Coaching „Schule ohne Stress“ – für einen gelasseneren Schulalltag
📚 Bücher & Kurse
- Starke Gefühle, stark er Halt– Selbstregulation für dein Kind und dich.
-
Konflikte nutzen statt vermeiden – Starke Bindung statt Machtkämpfe
-
Online-Audiokurs „Beziehungsbooster“ – für mehr Verbindung im Familienalltag:
Beziehungsbooster:
Beziehungsstark – Stressfrei – Krisenfest
Dein Weg zu einem harmonischen Familienleben.
Erfahre, wie du den Alltag mit deinem Kind stressfreier und beziehungsstärker gestalten kannst. Unser Online Audiokurs bietet dir die Werkzeuge, die du brauchst, um eine krisenfeste Beziehung zu deinem Wackelzahnkind aufzubauen.